Thilo Sarrazin
Teutonia lustig
 | Thomas Assheuer |
 | 05.02.2012 - 10:42 |
 | DIE ZEIT, 09.09.2010 Nr. 37 |
Thilo Sarrazin gründet eine eigene Partei. Wir sind dabei.
Viel ist in diesen Tagen davon die Rede,
Thilo Sarrazin werde nach seinem Rauswurf aus der SPD
eine neue Partei gründen. Unter treuherziger Verwendung von Originalzitaten stellen wir uns vor, wie seine Partei »Freiheit und Zukunft für Deutschland« (FUZ) zum ersten Mal zusammenkommt.
Ein Sonntagmorgen in Dresden. Weiträumig hat berittene Polizei die Semperoper abgesperrt und als Muslime verkleidete Demonstranten an das andere Elbufer verbannt, wo sie von
taz-
Reportern erstbetreut werden. Der Andrang ist riesig, grau melierte Herren mit handgenähten Einstecktüchlein begehren Einlass. Auch viele SPD-Wähler strömen herbei, verbergen ihr Gesicht aber hinter Lidl-Tüten. Nach dem Mittagsmahl (Alemannische Rouladen vom Todtnauberger Weideochsen) verliest Arnulf Baring eine Grußadresse von Wolfgang Clement, danach hält der Medienphilosph Norbert Bolz die mit Spannung erwartete Gründungsrede. Bolz, schwarzer Maßanzug mit aparten Lodenapplikationen, nennt Sarrazins Buch ein »Geschichtszeichen«. Ab sofort lasse sich das Volk nicht mehr von arroganten Jakobinern in den Feuilletons den Mund verbieten. »Wir leben weit entfernt von Meinungsfreiheit. Das mächtige Tabu über einer politischen Rechten kann nur durch ein Coming-out der Starintellektuellen gebrochen werden.« Seine Schlusssätze gehen im Jubel unter: Was die Linke angehe, »setze ich auf eine biologische Lösung. Irgendwann sind die tot.« Während Abgesandte des Internetmagazins
Perlentaucher
ihn noch um ein Autogramm bitten, enthüllt Necla Kelek bei gedämpftem Licht ein Gemälde des Künstlers Neo Rauch,
Untergang III.
Es zeigt, wie aus blutroten Herz-Jesu-Wolken ein türkischer Geier pfeilschnell auf ein schutzloses Opferlamm namens Germania herabstürzt und es zu verspeisen droht. Danach steht ein Streitgespräch auf dem Programm: »Schadet die verweichlichte Kindererziehung im Berliner Prenzlberg der deutschen Männlichkeit?« Es diskutieren Eva Herman (pro) und Bernhard Bueb (pro). Wie man es besser macht, zeigt das Kindertheater »Teutonia lustig« aus Deutschwertheim mit seinem Stück
Wo die schwarzen Schafe wohnen.
Alice Schwarzer berichtet exklusiv für
Bild.
Endlich springt der Kanzlerkandidat auf die Bühne. Thilo Sarrazin verspricht, die Unterschicht komplett abzuschaffen, um Deutschlands Untergang abzuwenden: »Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt und ständig kleine Kopftuchmädchen produziert.« Monika Maron küsst ihn dafür auf beide Wangen und setzt ihm eine Königskrone im Staufer-Stil auf. Obwohl ihr Auftritt im transparenten Minirock zunächst Anstoß erregt hatte, wird Gabriele Pauli im dritten Wahlgang zur Kassenwartin gewählt. Der Gründungsparteitag von »Freiheit und Zukunft für Deutschland« endet mit den Klängen der Regensburger Domspatzen unter Georg Ratzinger. »Kein schöner Land in dieser Zeit / bald sind wir alle vom Schleier befreit«. Als Henryk M. Broder dabei Grimassen schneidet, wird Klaus von Dohnanyi sehr wütend: »Das ist ein anständiges Lied, das kann man anständig singen.«
Leser-Kommentare
MilleMiglia am 09.09.2010 um 14:06 Uhr
1. Noch lachen Sie
Nicht sehr witzig,wie Sie versuchen, die berechtigten Ängste und Zweifel vieler Deutscher an den gegenwärtigen Zuständen in den Dreck zu ziehen. Ich kann darüber nicht lachen. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, daß die etablierten Parteien mit ihrer Migrations - und Integrationspolitik meilenweit von den Vorstellungen ihrer Wähler entfernt sind. Wir brauchen nicht noch mehr Geld für Integration auszugeben, nicht noch mehr Workshops an Schulen, bei denen Kindern schon von Anfang an beigebracht wird, daß man alles zu tolerieren hat und wegen unserer Vergangenheit auch alles
hinnehmen muß. Jetzt sind Taten angebracht. Einserseits von den Muslimen, unsere Kultur und unsere Gesetze zu respektieren und andererseits wir Deutsche selbst, Verweigerung oder Mißachtung unserer Kultur auch konsequent zu ahnden. Die entsprechenden Gesetze gibt es längst, sie müssen nur angewandt werden.
Wer diese Ängste und auch diesen Willen in Form einer Partei
manifestieren kann, hat gute Aussicht auf ein zweistelliges Wahlergebnis.
13500000000bC am 09.09.2010 um 14:14 Uhr
2. Nicht witzig
Sarrazin ist nicht witzig.
Die Partei wäre nicht witzig...
...und der Artikel ist es auch nicht.
Kein Wunder - im deutschen Genom ist ja auch noch nie was witziges gefunden worden. Oder, Thilo ?