Vergewaltigungs-Vorwurf

Gericht unterbricht Kachelmann-Prozess

Autordpa ;AFP
Datum05.02.2012 - 12:16
QuelleZEIT ONLINE, dpa, AFP

Das Gerichtsverfahren gegen Jörg Kachelmann ist wenige Minuten nach seinem Beginn vertagt worden. Seine Verteidiger stellten einen Befangenheitsantrag gegen zwei Richter.

© Daniel Roland/AFP/Getty Images
Jörg Kachelmann nach seiner Entlassung aus der U-Haft Ende Juli. Er bestreitet den Vorwurf der Vergewaltigung
Jörg Kachelmann nach seiner Entlassung aus der U-Haft Ende Juli. Er bestreitet den Vorwurf der Vergewaltigung
Der Prozess gegen den Unternehmer und ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung ist kurz nach Beginn bereits wieder vertagt worden. Der Vorsitzende Richter des Mannheimer Landgerichts, Michael Seidling, begründete dies mit einem Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen ihn und eine weitere Richterin. Das Verfahren soll nun am 13. September fortgesetzt werden.
Kachelmanns Verteidiger Reinhard Birkenstock sagte, der Befangenheitsantrag sei aus der Sorge erfolgt, "dass die beiden abgestellten Richter- Persönlichkeiten ihm nicht mit der nötigen Unvoreingenommenheit gegenüberstehen." Man habe dies "bewusst nicht öffentlich gemacht. Der Grund: Wir wollten die Richter-Persönlichkeiten nicht öffentlich angreifen." Das 67-seitige Ablehnungsgesuch wurde zu Protokoll der Geschäftsstelle des Gerichts gegeben. 
Der Prozess hatte mit leichter Verspätung unter großem Medieninteresse begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-jährigen Schweizer vor, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er hat die Vorwürfe stets bestritten. Bei einer Verurteilung drohen Kachelmann bis zu 15 Jahre Haft.
Der Moderator war Ende Juli nach rund vier Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen worden , weil Gutachten die Angaben des mutmaßlichen Opfers dem Oberlandesgericht Karlsruhe zufolge nicht eindeutig stützten. Die 37-jährige Radiomoderatorin tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf und erschien zum Prozessauftakt in Begleitung eines Anwalts ebenfalls vor dem Mannheimer Gericht. Neben ihr sollen vor Gericht 25 Zeugen vernommen werden, darunter laut Staatsanwaltschaft auch "diverse weibliche Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten". Außerdem sind fünf Sachverständige geladen.
Die Nebenklägerin soll nach bisherigen Planungen erst am neunten Verhandlungstag (13. Oktober) aussagen. Der letzte planmäßige Termin ist für den 27. Oktober vorgesehen. Dann könnte ein Urteil gegen Kachelmann verkündet werden.
LESER-KOMMENTARE
ingocnito am 06.09.2010 um 10:53 Uhr
1. Keine Überraschung

Oder würden Sie sich dem Urteil eines Richters unterwerfen der bereits bei ihrer Haftprüfung bedenkliche Anzeichen von Befangenheit erkennen ließ und gegen den Sie gerade eine
Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht haben...

ITSLTD am 06.09.2010 um 11:02 Uhr
2. Allerdings ..

Stimme Ihnen zu.

Hinzu kommt, dass inbesondere in Baden-Würtemberg und Bayern oft und gern am oberen Rand des Strafmasses geurteilt wird und es unter Fachleuten als offenes Geheimnis gilt, dass Verfahren zurechtgebogen werden, um drastische Ermittlungsfehler zuzudecken und *gewollte* Urteile zu erreichen.

Bitte erläutern Sie Ihre gewagten Thesen und Unterstellungen durch Quellenangaben oder Beispiele. Danke. Die Redaktion/km