Kernkraft

Siemens steigt aus Atomgeschäft aus

Datum03.02.2012 - 07:16
QuelleZEIT ONLINE, Reuters, dpa

Der Siemens-Konzern will sich komplett aus dem Atomgeschäft zurückziehen. Vorstandsvorsitzender Peter Löscher sagte, das Kapitel sei für das Unternehmen "abgeschlossen".

Der Münchner Siemens-Konzern will sich komplett aus dem Atomgeschäft verabschieden. "Das Kapitel ist für uns abgeschlossen", sagte Konzernchef Peter Löscher dem Magazin Spiegel. Die Entscheidung sei die Antwort seines Unternehmens "auf die klare Positionierung von Gesellschaft und Politik in Deutschland zum Ausstieg aus der Kernenergie" nach der Atomkatastrophe von Fukushima.
Anstatt sich am Bau kompletter Kernkraftwerke zu beteiligen, will der Konzern laut Löscher künftig nur noch Komponenten wie Dampfturbinen liefern, die auch bei konventionellen Kraftwerken zum Einsatz kommen. Zu dem seit Längerem geplanten Atom-Joint-Venture mit dem russischen Rosatom-Konzern werde es nun nicht mehr kommen, kündigte der Siemens-Chef in dem Interview an. Stattdessen wolle man mit dem Partner "auf anderen Feldern" zusammenarbeiten.
Löscher stuft die geplante Energiewende in Deutschland als "Jahrhundertprojekt" ein: Das Ziel, den Ökostrom-Anteil bis zum Jahr 2020 auf 35 Prozent zu erhöhen, hält er für erreichbar. Auch in der Euro-Diskussion unterstützt Löscher den Kurs von Angela Merkel. "Wir stehen voll hinter der weiteren europäischen Integration und den Europazielen der Bundeskanzlerin", sagte der Siemens-Chef dem Spiegel. Er rechne nicht mit einem Zerfall der Euro-Zone. "Dieser Fall wird nicht eintreten", sagte Löscher. "Davon bin ich überzeugt".
LESER-KOMMENTARE
henrysilva am 18.09.2011 um 14:17 Uhr
1. Ironie des Schicksals...

In den Geschichtsbüchern in 100 Jahren wird stehen:

Rot-grün beschloss einen Atomausstieg in weiter Ferne. Dies wurde die Politik der "Brückentechnologie" genannt. Untermauert wurde diese Haltung durch die Abkehr des Umweltministers Trittin von der Anti-Castor-Transport-Bewegung. Weitere umweltpolitische Meilensteine dieser Regierung waren das Dosenpfand und die Ökosteuer, welche zwar keine nennenswerten Auswirkungen auf das Fahrverhalten hatte, aber die Rentenkassen entlastete. Zudem wurde der Handel von Umweltverschmutzungsrechten durchgesetzt, welcher allerdings alle Bemühungen, das Klima durch Solarfördermaßnahmen zu entlasten, konstruktionsbedingt zunichte machte. Es zeigte sich, dass die Solarsubventionen deutsche Unternehmen innovationsträge machten, während amerikanische und chinesische Unternehmen Pioniere der Module 2. und 3. Generation wurden.

Nach der Fukushima-Katastrophe änderte sich die Risikoeinschätzung weiter Teile der Gesellschaft. Die neue schwarz-gelbe Regierung formte die Protestwelle konstruktiv in Gesetze und hat unter Inkaufnahme von Rechtsunsicherheiten und bei massiven Widerständen der Energieversorger mehrere Kernkraftwerke sofort und dauerhaft vom Netz genommen. Kanzlerin Merkel, die bereits das von schwarz-gelb gegründete Bundes-Umweltministerium leitete, vereinbarte einen verbindlichen Atom-Ausstieg, der auch von weiten Teilen der Industrie begrüßt wurde. Dies legte den Grundstein für zukünftige Innovationen made in Germany.

Fredleo am 18.09.2011 um 14:57 Uhr
2. Widerspruch

Ähem,
der Atom-Ausstieg wurde von Rot-Grün beschlossen und von der Merkel-Regierung rückgängig gemacht. Es musste erst eine Katastrophe wie in Fukushima passieren, damit sie ihren Fehler einsieht. Den Ausstieg als Schwarz-Gelben Erfolg zu verbuchen ist einfach lächerlich. Und was genau ist mit den "konstruktiven Gesetzen" gemeint? Die müssen mir entgangen sein.
Aber immerhin steigt Siemens nun aus dem Geschäft aus und kann die Aufmerksamkeit auf Innovationen in zukunftsfähigen Märkten richten.