Fahrzeug-Industrie
Daimler stellt Luxusmarke Maybach ein
 | 02.02.2012 - 21:11 |
 | ZEIT ONLINE, Reuters, dpa |
Seit der Reanimierung 2002 konnte die Traditionsmarke keine Gewinne einfahren. Nun will Daimler das obere Kundensegment mit mehr Modellen in der S-Klasse bedienen.
Der Autobauer Daimler stellt seine Nobelmarke Maybach ein. "Es wäre nicht sinnvoll, ein Nachfolgemodell für den jetzigen Maybach zu entwickeln", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das Unternehmen sei zur klaren Überzeugung gelangt, dass die Absatzchancen für die Marke Mercedes besser sind als die von Maybach, erklärte Zetsche. Die Produktion des Maybach werde spätestens dann auslaufen, wenn die neue S-Klasse 2013 auf den Markt komme.
Damit ist das Ende für die erst im Jahr 2002 reanimierte Traditionsmarke in zwei Jahren besiegelt. Brancheneinschätzungen zufolge bleiben
die Maybach-Verkäufe seit Langem weit hinter den ursprünglich geplanten Stückzahlen zurück. Statt Nachfolger für die jetzigen Fahrzeuge zu entwickeln, will Daimler die Palette an Oberklasse-Fahrzeugen der Mercedes-Benz S-Klasse auffächern und auf sechs Modelle verdoppeln. "Mercedes bläst jetzt auch zum Angriff in der Oberklasse", sagte Zetsche.
Der Vorstands-Chef versprach, dass die Beschäftigten der Maybach-Manufaktur
an anderer Stelle im Konzern weiterarbeiten können. "Das sind etwa 150 bestens qualifizierte Mitarbeiter, die wir für unser Wachstumsprogramm im Luxussegment brauchen werden", erklärte Zetsche.
Hochgesteckten Absatzziele nie erreicht
Seit der Reanimierung waren die Aussichten für die Luxusmarke schlecht, die hochgesteckten Absatzziele wurden nie erreicht. Zetsche bestätigte, dass die Wiedereinführung des Maybach unterm Strich ein Verlustgeschäft gewesen sei. Zuletzt wurden jedes Jahr nur wenige hundert der weitgehend in Handarbeit gefertigten Fahrzeuge an zahlungskräftige Kunden ausgeliefert.
Der direkte Konkurrent Rolls-Royce, der zu BMW gehört, schnitt besser ab.
Maybach baute bereits in den 1930er Jahren Luxuslimousinen. Zuletzt hatte Daimler erwogen, die Marke durch eine Kooperation mit Aston Martin beispielsweise bei Motoren rentabler zu machen. Daimler feiert in diesem Jahr das 125-jährige Jubiläum des Automobils, das die Firmengründer Gottlieb Daimler und Carl Benz 1886 entwickelt haben.
LESER-KOMMENTARE
christian reichardt luzern moskau am 25.11.2011 um 21:02 Uhr
1. "Esprit" ist leider kein deutsches Wort
Eine Epoche geht zu Ende. Nach deutscher Manier - absolut emotionslos - „Entwicklung nicht sinnvoll", "keine Gewinne“.
Welch eine Tragödie! Hier muss doch ein Weltkonzern eingestehen, dass es seinen Marketingleuten nicht gelungen ist, die richtige Konzeption zu entwickeln.
„Zu nah an der S-Klasse“, ist die richtige Diagnose. Man kann eben dieser Zielgruppe nicht einfach nur ein grösseres Modell anbieten, das konnte schon VW mit dem Phaeton nicht: das angestrengte Herumkutschieren der VIPs auf den Salzburger Festspielen hatte da auch nicht gefruchtet.
Ein längerer Radstand wie beim „SEL“, oder zwei zusätzliche Seitentüren beim Pullman - reicht nicht. Hier ist etwas ‚Eigenes‘ gefragt, wie bei Rolls Royce oder Bentley zu sehen! Erleben will man.
Wobei wir wieder beim Marketing wären. Maybach war stets TOP! Wenn die Deutschen insgesamt als „sachlich“ gelten, so galt das exakt für den wiedergeborenen Maybach. Topreiche sind sicherlich so, aber sie wollen sich bestimmt nicht "nur so" zeigen, siehe deren Kleidung, Make-up, Verhalten. Der Maybach erfüllte die Anforderung‚ teuer sein und scheinen - leider nicht mehr.
Leider wurde die Verlustserie nicht aufrechterhalten, obwohl „als Zweitwagen ja meist noch ein 600er geordert wurde", was ja eine gelungene Mischkalkulation wäre.
Schade nochmals. Bleibt noch die Frage: werden wirklich alle Mitarbeiter übernommen – auch die Marketing"angestellten"? Die Bezeichnung „Freaks“ wäre ja wohl fehl am Platze.
Wo bleibt der Esprit?
Admiral-von-Sinkenquicken am 25.11.2011 um 23:32 Uhr
2. Was haben Sie denn ...
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn